Kleinken

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Das Metallwerk Kleinken war bei der "BAM / Berufs- und Ausbildungs-Messe" in Dorsten mit einem großen Stand vertreten, 23.6.18
Nicht bei ThyssenKrupp aufgenommen, sondern hier bei Kleinken! , Foto: Harald Stucken
Eine vom Dorstener Verkehrsverein durchgeführte Radtour führte nach Wulfen zur Betriebsbesichtigung eines in Dorsten sehr bekannten und alteingesessenen Betriebes der metallverarbeitenden Industrie an der Gießereistrasse. Gut 25 Teilnehmerinnen/Teilnehmer - Mitglieder und Gäste - zeigten Interesse an dieser besonderen Veranstaltung des Traditionsvereins. Unter der Leitung von Vorstandsmitglied Godehard Schmitz, ging es mit dem Rad zur wohl ältesten produzierenden Fabrik und heißesten Ort in Dorsten, dem „Metall- und Eisengießereiwerk Franz Kleinken GmbH“ zu dessen Werk II nach Wulfen: Dort wird u.a. rotglühend-verflüssigtes, 1500 Grad Celsius heißes Eisen aus Cupol- und Induktionsöfen in kundenspezifische, vom Werk selbsthergestellte und mit feinem Quarzsand aus Haltern gefüllte Formkästen gegossen und verarbeitet. "GUSS NACH MASS" und „NACH DEN FUNKEN FLIEGEN DIE SPÄNE“ sind Leitsätze und täglicher Ansporn aller ca. 150 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, einschl. der Auszubildenden in allen Unternehmensbereichen. Bei einem ca. 90minütigem Rundgang unter Leitung der Firmenchefs des „Familienunternehmens“, den Herren Udo Meyer (Senior) und dessen mit der Geschäftsführung betrauten Sohn Jörg sowie zwei leitenden und fachlich versierten, erfahrenen Mitarbeitern des Produktionswerkes, konnten sich alle interessierten Besucher selbst ein lebhaftes Bild dieses nicht alltäglich zu sehenden Prozesses machen, Foto: Harald Stucken, 25.8.18. Siehe auch http://www.verkehrsverein-dorsten.de/
Gebäudeschild 2016 neu
Das Metallwerk Kleinken lässt die Außenwand erneuern. Die Maurer haben kein Gerüst aufgebaut, sondern verwenden eine interessante Hebebühne, 4.4.16
Schriftzug am Gebäude zur Hervester Straße hin (2007)
Ansicht von Norden her
Stellenangebote Ende August 2007
Tafel am Stammhaus Ostwall 31 in Dorsten
EW-Foto, um 1972

Metallwerk Franz Kleinken GmbH

Franz Kleinken gründete 1904 in Dorsten eine Firma, die dort am Ostwall seit 1921 auch eine Gießerei betrieb. Aus Platzgründen wurde zusätzlich 1949 in Wulfen das Gelände an der Bahnlinie erworben. Die Werkshallen wurden mehrfach erweitert. Eisen- u.a. Gussstücke bis zu einem Gewicht von 30 Tonnen können hier hergestellt werden, die für Windkraftwerke, Turbinen und Getriebe für die Schwerindustrie wie im Schiffsbau benötigt werden.
Mit rund 100 Beschäftigten ist Kleinken nach der Gesamtschule der zweitgrößte Arbeitgeber am Ort. Bei der Produktion entstehen Emmissionen, die für die Anwohner eine Geruchsbelästigung darstellen. Eine angedachte Betriebsverlagerung auf das ehemalige Zechengelände scheiterte an den Kosten.

Fimengeschichte von Udo Meyer (Geschäftsführer)

KLEINKEN – gelebte Tradition in Familienhand : Geschichtliche Entwicklung eines der ältesten Dorstener Unternehmen

Die Eisen- und Metallgießerei Kleinken gehört sicher zu den ältesten produzierenden Firmen in Dorsten. Heute ist bereits die vierte Generation des Familienunternehmens erfolgreich tätig. Franz Kleinken gründete das Unternehmen im Jahre 1904 als Baugeschäft. Einige Gebäude am Westwall sind heutige Zeitzeugen der früheren erfolgreichen Bautätigkeit. Neben dem Baugeschäft eröffnete Franz Kleinken 1921 ein Transportunternehmen. Ständige Fahrzeugreparaturen gaben zu der Überlegung Anlaß, Kosten- und Wartezeiten – bedingt durch die umständliche Ersatzteilbeschaffung – zu reduzieren. Damals gab es bei den LKW´s in den Achslagern noch keine Kugellager, sondern nur Rotgußbüchsen. Der Gedanke, diese Rotgußbüchsen selber herzustellen, lag nahe. Dieser Gedanke kann heute praktisch als Grundstein für unsere jetzige Gießerei bezeichnet werden. Früher hatte fast jede Zeche eine eigene Buntmetallgießerei. Deshalb wurde ein Former von der Zeche Fürst Leopold eingestellt, der versuchen sollte, auf einem Schmiedefeuer die erste Kupferlegierung zu schmelzen. Der Versuch mißlang. Ein Erdofen, der mit natürlichem Zug arbeitete, brachte schließlich den gewünschten Erfolg. Hierin wurde die erste Metallschmelze erstellt. Als zweiter Schritt wurde eine gebrauchte Drehmaschine angeschafft, um die gegossenen Rohlinge zu bearbeiten. Das Ersatzteilgeschäft konnte nur in kleinem Rahmen betrieben werden, weswegen sich die Firma mehr zur Großindustrie hin orientierte. Erste Erfolge zeichneten sich bereits 1934 ab, als Kleinken Vertragslieferant der Deutschen Bundesbahn [Gemint ist die Dt. Reichsbahn] wurde. 1936/37 erließ die Reichsregierung die sogenannten Verwendungsverbote für Kupferlegierungen, denn diese Legierungen mußten fast ausschließlich für die Rüstung verwandt werden. So waren für den Zivilbedarf kaum noch Rohstoffe vorhanden. Zur weiteren Auslastung der Gießerei musste ein Ersatzwerkstoff gefunden werden. Zur Überlegung stand damals: Aluminium, Stahl oder Grauguß. Nach langen Verhandlungen mit den Behörden in Berlin gelang es dann, eine Produktionsgenehmigung für die Herstellung von Grauguß zu bekommen. In der Übergangsphase, bis zum Bau eines Kupolofens im Jahre 1941, wurde das Gußeisen im Tiegelofen erschmolzen. Der erste Kupolofen, der im Dorstener Werk errichtet wurde, lief bis 1950.

Da jedoch nach dem Krieg, bedingt durch die Währungsreform 1948, Kupferlegierungen wieder frei auf dem Markt erhältlich waren, lebte auch diese Produktion wieder auf. Schon nach kurzer Zeit stellte sich heraus, daß der Dorstener Betrieb zu klein war. Es wurde nach einer Möglichkeit gesucht, die Eisengießerei auszulagern. 1949 bot die damals selbstständige Gemeinde Wulfen ein geeignetes Gelände zum Kauf an. Im gleichen Jahr starb die damalige Inhaberin, die Witwe Frau Huberta Kleinken, die nach dem Tode Ihres Mannes ab 1937 die Gießerei alleine leitete. Danach ging die Leitung des Unternehmens in die Hände Ihres Sohnes Waldemar Kleinken und Ihres Schwiegersohnes, Kurt Meyer, über. Unter dieser sehr umsichtigen Leitung entwickelte sich das Unternehmen kontinuierlich weiter.

Es wurde weiterhin an zwei Standorten produziert, wobei jedoch die Schwerpunkte der Erweiterungen im Werk Wulfen lagen. Dort stand genug Gelände für weitere Expansionen zur Verfügung. Der wirtschaftliche Aufschwung ging auch nach Eintritt von Udo Meyer in die Geschäftsführung des Unternehmens im Jahre 1974 weiter. Mit der Erweiterung der bestehenden Gießereihalle im Jahre 1969/70 wurden neue, moderne Schmelzanlagen mit Filteranlagen gebaut. Kontinuierlich wurden vorhandene Hallen verlängert und die Produktion mit Hilfe moderner Anlagen wirtschaftlich gestaltet. Schon bald mußte man erkennen, daß immer höhere Anforderungen an die Qualität der Produkte weitere Investitionen in zusätzliche Schmelzöfen erforderten. 1997/98 wurden 2 Elektro-Öfen zusätzlich zu den 2 vorhandenen Kupolöfen installiert. Diese Öfen ermöglichen es, nahezu jede gewünschte Materialqualität wirtschaftlich und umweltfreundlich herzustellen.

Die Produktpalette hat sich in den letzten Jahrzehnten ständig den gestiegenen Anforderungen der Kunden angepaßt. In den 50er bis 70er Jahren wurden vornehmlich Gußstücke für den Bergbau und für die Baumaschinenindustrie herstellt. Es konnten einfache Eisenqualitäten mit Stückgewichten bis max. 6 to produziert werden. Nach der ersten Bergbaukrise in den 60er Jahren ist nach neuen Absatzgebieten Ausschau gehalten worden und das Unternehmen fand in der Stahl- und Hüttenindustrie den geeigneten Kundenbereich. Nach der Vergrößerung der Gießereihallen im Werk Wulfen ab 1979 war man in der Lage, Gußstücke bis zu einem Gewicht von 30 to herzustellen. Damit konnte der Bedarf des deutschen Marktes bis zu 90 % abgedeckt werden. In den 80er Jahren wurde der Wunsch nach immer höheren Gußqualitäten größer. Diesem Wunsch wurde man mit dem Werkstoff Sphäroguß (Kugelgraphitguß) gerecht. Dieser Werkstoff vereinigt die guten Eigenschaften des Stahlgusses mit denen des Eisengusses und eröffnete völlig neue Marktsegmente. Die zusätzliche Investition von 2 Elektroöfen ermöglichte es, die kompliziertesten Gußstücke für den Bau von Windkraftanlagen, Turbinen, Pumpen und Getrieben für die Schwerindustrie wie den Schiffsbau herzustellen. Viele der größten Container- und Passagierschiffe der Welt fahren mit Antriebsgehäusen aus dem Hause Kleinken.

Die Herstellung hochkomplizierter Gußstücke erfordert modernste Methoden zur Prüfung der vom Kunden geforderten Eigenschaften. So ist es selbstverständlich, daß alle Teile vor Versand mit Ultraschall und ggfs. Röntgen auf Materialfehler untersucht werden. Die Computertechnologie hilft in allen Produktionsbereichen die Arbeit zu erleichtern. Alle Werkzeugmaschinen, die die in den Gießereien hergestellten Teile bearbeiten, sind ebenso EDV-unterstützt wie die gesamte innerbetriebliche Kommunikation. Alle diese modernen Techniken helfen mit, den immer höheren Anforderungen an die Qualität der produzierten Teile gerecht zu werden.

Eine gezielte Nischenpolitik bei der Auswahl der Produkte ermöglicht es, dem immer größer werdenden Wettbewerbsdruck aus den sogenannten „ Billiglohnländern „ standzuhalten. Ein großer Stamm an langjährigen, hochqualifizierten Facharbeitern und eine kontinuierliche Ausbildung von Jugendlichen in verschiedenen Ausbildungsberufen ermöglicht es, immer wieder dem Wettbewerb standzuhalten.

So wie die Firmenleitung seit Generationen erfolgreich in Familienhand liegt, vollzieht sich auch der Generationenwechsel in vielen Bereichen der Belegschaft innerhalb einer Familie. Daß nun auch in der Belegschaft Mitarbeiter der zweiten und dritten Generation einer Familie bei Kleinken arbeiten, ist ein Zeugnis des guten Betriebsklimas und der familiär geprägten Unternehmenskultur. Dies spiegelt sich auch in der Dauer der Betriebszugehörigkeit wider. Nicht ohne Grund werden jedes Jahr zahlreiche Jubilare mit 25 oder 40 Jahren Dienst bei Kleinken geehrt. Das partnerschaftliche und vertrauensvolle Zusammenarbeiten vieler Nationen ist bei Kleinken kein Fremdwort, sondern ist Ausdruck der Philosophie eines Unternehmens, das Internationalität lebt, dabei aber nicht die familiär geprägten Wurzeln am Rande des Ruhrgebietes übersieht. Tradition bei Kleinken – kein Stillstand, sondern Bewahrung unserer Werte in der täglichen Arbeit und in dem Bewusstsein eines internationalen Umfeldes!

Quelle: Heimatkalender 2005, S.135-138, zu finden auch als Link auf http://www.kleinken.de/index.php?id=15

Aktuell 2016

"Seit dem 01.11.2016 verstärken wir unsere Maschinenbaukompetenz am Standort Dorsten-Wulfen im Verbund mit der [Wulfener] M. Schneider GmbH, einem innovativen und leistungsstarken Unternehmen, das auf die CNC-Zerspanungstechnologie in Einzel- und Serienfertigung von Bauteilen bis 60 Tonnen Stückgewicht spezialisiert ist."
http://www.m-schneider-gmbh.de
Quelle; Firmenwebsite (abgerufen 11.02.17)

Literatur

Kleinken - gelebte Tradition in Familienhand, geschichtliche Entwicklung eines der ältesten Dorstener Unternehmen / Udo Meyer. Heimatkalender 2005, S.135-138

Weblink

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