Reichsarbeitsdienst-Lager

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WB 1934 Wulfen RAD Arbeitsdienst 6-201-Hesseling 1.jpg
Reichsarbeitsdienst Abtlg. 6/165, Ludwig Knickmann, Wulfen
Aus der Festschrift zur Einweihung am 14. April 1934
Aus der Festschrift zur Einweihung am 14. April 1934 (vergrößerbar)
Aus der Festschrift zur Einweihung am 14. April 1934 (vergr.)
Festschrift zur Eröffnung, vorhanden im Archiv des Heimatbundes
Zeitungsartikel, abgedruckt im Aufsatz von E. Schulte-Huxel
Pfosten vom Eingangstor, Aufnahme 2007
Ehemalige Offiziersbaracke Weseler Str. 153, Foto:2007

Nah bei Wulfen lag das "RAD-Lager Ludwig Knickmann". Die Betonpfosten der Stacheldrahtumzäunung sind noch heute gegenüber dem Haus Weseler Straße 163 zu sehen.

Bei seiner Einweihung am 14.4.1934 mit 216 Plätzen hieß es offiziell "Stammlager Wulfen des Arbeitsdienstes der NSDAP Ab. 201/6 Wulfen i. Westf." Es löste fünf kleinere Lager des Freiwilligen Arbeitsdienstes in der Herrlichkeit ab. Außer der Arbeit auf den Baustellen (z.B. Dränage-Arbeiten, Badeanlage Midlicher Mühle) stand staatspolitischer Unterricht auf dem Programm. Am 29.6.1934 wollte Adolf Hitler das Lager besuchen. Deuten und Wulfen wurden festlich geschmückt, eine große Menschenmenge stand wartend am Lager und an der Napoleonchaussee (=B58 zwischen Wulfen und Deuten) um den Diktator zu sehen. Es waren der Gauleiter Dr. Meyer (Gau Westfalen-Nord/Münster) und der Reichsleiter des FAD und des nachfolgenden RAD, Konstantin Hierl am Ort. Wegen der von Hitler selbst veranlassten Ermordung von SA-Leuten und Nazi-Gegnern ab 30.6. (wie der ehemaliger Landrat des Kreises Recklinghausen Erich Klausener), von der NS-Propaganda "Röhm-Putsch" genannt, fuhr Hitler nur zu einem Arbeitsdienstlager nach Lünen. Aber danach nicht mehr wie geplant nach Wulfen, Moers, Rheinberg und Xanten, sondern dann direkt nach Bad Godesberg und flog noch in der Nacht nach Bayern.

Während des Krieges waren im Lager Landesschützen untergebracht, nach Kriegsende ein paar Monate 600 sowjetische Kriegsgefangene und Ostarbeiter. Zur Linderung der Wohnungsnot wurden einige Baracken dann demontiert und im Ort aufgebaut. Laut "800 Jahre Wulfen", Seite 152, ist das noch heute existierende Holzhäuschen Weseler Str. 153 eine ehemalige Offiziersbaracke des Reichsarbeitsdienstlagers, in der nach 1945 der Zahnarzt Karl Peters wohnte und seine Praxis ausübte.

Der Namensgeber Ludwig Knickmann war ein "Märtyrer" der NS-Bewegung aus Buer, der bei der Ruhrbesetzung 1923 drei belgische Soldaten ermordete und auf der Flucht bei Sickingmühle/Lippramsdorf in der Lippe ertrank. In Marl gab es ein Denkmal und eine nach ihm benannte Schule. Die SA-Standarte 137 Westfalen in Gelsenkirchen trug seinen Namen.

Bei der Anlage des Lager wurde eine Fränkische Friedhofsanlage entdeckt und ausgegraben.

Quelle: Dorsten unterm Hakenkreuz, Bd.3 Der gleichgeschaltete Alltag, 1985. Darin: Elisabeth Schulte-Huxel: Stolz sind wir auf Spaten und Ähre - Arbeitsdienst in der Herrlichkeit, S.92-101, Foto heute S.10 ; Anton Winter, Der Ruhrkampf im Amtsbezirk Marl, in: Vestischer Kalender 1987, 58. Jahrgang, S.76-82. Heimatkalender 1978, S.59

Hitlers Aktivitäten um den 29.6.1934

Wörtlich aus "Mordsache Röhm" von Heinz Höhne (SPIEGEL-Buch 1984), S. 246-265 :

"Hitler hatte zugesagt, an der Hochzeit des westfälischen Gauleiters Josef Terboven [Gau Essen] teilzunehmen. Am Morgen des 28. Juni flog Hitler, begleitet von Göring, nach Westdeutschland.

Kaum hatte sich Hitler am frühen Nachmittag des 28. Juni zu der Hochzeitsgesellschaft des Gauleiters Terboven gesellt, da wurde er durch einen Anruf Himmlers aufgeschreckt. ... Hitler war so irritiert, dass er die Hochzeitstafel verließ und sich auf seine Suite im Essener Hotel Kaiserhof zurückzog ... "Hier auf seinem Zimmer ging der Fernschreiber fast ununterbrochen" schrieb sich [sein enger Mitarbeiter] Lutze ins sein Tagebuch. "Der Führer überlegte stark, war sich aber schein's klar darüber, dass er nun zuhauen wollte." ... Plötzlich erhob er sich von seinem Platz: "Ich habe genug. Ich werde ein Exempel statuieren". ... Was Hitler in Essen und in seinem nächsten Quartier, dem Hotel Dreesen in Bad Godesberg, erhielt, waren Nachrichten über die steigende Unruhe in der SA, ...
Er hatte den ganzen Tag [29.6.] so verbracht, wie es mit Göring verabredet war: Am Vormittag war er im westfälischen Buttenberg [=Schloss Buddenburg bei Lünen] gewesen um ein Lager des Arbeitsdienstes zu besichtigen, und am Nachmittag war er in den ersten Stock des Dreesen eingezogen, in ein paar Zimmer mit Blick zum Rhein. Von da ab war Hitler aktiv geworden ... Um 20 Uhr konferierte Hitler mit 15 hohen Funktionären, unter Ihnen Goebbels. ...

[Um zwei Uhr] stapfte Hitler über den Bonner Flughafen Hangelar. Landung gegen 3.30 Uhr auf dem Münchner Flughafen Oberwiesenfeld."

Joseph Goebbels Tagebucheintrag 29. Juni 1934

Die Lage wird immer ernster. Der Führer muß handeln. Sonst wächst uns die Reaktion über den Kopf. ... Das Volk wartet, daß wir handeln. Sauere Stimmung in der R.W. [Reichswehr]. Papens Rede von Dr. Jung geschrieben. ... Führer Essen. Hochzeit Terboven. ... Heute morgen Anruf vom Führer gleich nach Godesberg fliegen. Es geht also los. In Gottesnamen. Alles ist besser als dieses Gottverdammte warten. Ich bin bereit. Quelle: Die Tagebücher des Joseph Goebbels, 1987, Teil 1, Band 2, S.472


[Am 30.6./1.7. wurden dann rund 200 Menschen ermordet, überwiegend SA-Führer sowie NS-Gegner wie der frühere Landrat des Kreises Recklinghausen Erich Klausener und der letzte demokratische Reichskanzler Kurt von Schleicher.]

Literatur

Wie Ludwig Knickmann starb! Zum elften Todestag des Ruhrhelden / Sell. In: Vestischer Kalender 13(1935) S.31-34

Siehe auch

Weblinks

"Dorsten unterm Hakenkreuz" : Beitrag über das RAD-Lager

Ausschnitt aus dem Buch von Ralf Trost: Eine gänzlich zerstörte Stadt (Xanten) 2004, S.164

Straßenbenennungen nach Ludwig Knickmann

NS Gautreffen Knickmann.jpg